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Kastration

 

 

Ein Wort zur Frühkastration

von Dorothea Friz, Castel Volturno

Nachdem mich so viele aufmerksame Leser meines Berichtes über die Kastrationsaktion in Lettojanni angeschrieben haben, da sie irritiert darüber waren, dass wir so junge Kätzchen (und auch Hundewelpen) schon kastrieren, und besorgt waren, dass dies für die Tiere gesundheitliche Probleme mit sich bringen könnte,  möchte ich Ihnen allgemein meine Erfahrungen mit der “Frühkastration” mitteilen. Wir kastrieren alles, weil ich keine andere Wahl habe. Hier ist es nicht so, dass wir die kleinen Kätzchen aus den Kolonien mitnehmen und aufziehen können. Es sind schlichtweg zu viele. Die Leute, die die Kolonien betreuen, sind nicht so aufmerksam wie Katzenbetreuer in Deutschland, hier ist alles anders. Die Leute denken, dass die Straßentiere in erster Linie Futter brauchen. Die meisten Betreuer der Kolonien erkennen nicht einmal schwere Infektionskrankheiten. Wenn wir also irgendwo kastrieren, wo wir sicher sind, dass wir in Zukunft keinen Zugang mehr zu den Katzen haben, kastrieren wir alle, die wir bekommen können. Es ist der einzige Weg, weiteres Elend zu verhindern.

Außerdem kastriere ich alle Welpen vor der Vermittlung. Und das kam so:

Ich habe in den 80er Jahren in München studiert. Von Kastrationen sprach man damals überhaupt noch nicht. Ich hatte eine Hündin, die regelmäßig scheinträchtig war, aber keiner sagte mir, dass man die kastrieren müsste. Sie hatte natürlich ihre Mammatumore und als sie 15 Jahre alt war, musste ich sie einschläfern. Das war sehr hart für mich, ich war damals schon in Italien und habe allen Leuten davon erzählt. Ich biete die Kastration nicht nur als Mittel zur Lösung des Überbevölkerungsproblems an, sondern vor allem für das allgemeine Wohlbefinden der Tiere, Männchen wie Weibchen.

Nun, auch ich habe anfangs nach der ersten Läufigkeit kastriert. Aber manchmal sind die Tiere abgehauen und gedeckt zurückgekommen. Die Besitzer wollten die Schwangerschaft nicht unterbrechen. Da ist mir die erste Veröffentlichung aus Amerika in die Hände geraten: man hat herausgefunden, dass, wenn man vor der ersten Läufigkeit operiert, niemals Mammatumore auftreten können. Und das ist auch logisch: die Läufigkeit bereitet die Hündin hormonell auf eine Schwangerschaft vor und die Hormone wissen ja nicht, dass wir fürsorgliche Besitzer der Natur ein Schnippchen schlagen und das arme Weibchen einsperren. Das betreffende Tier bildet sich mehr oder weniger akzentuiert eine Trächtigkeit ein. Die einen bauen sogar ein Nest und haben die Milchdrüsen prall voll Milch. Bei anderen ist es weniger auffällig. Die Rückstände dieser Milch verursachen die Mammatumore. Wenn man also vor der ersten Läufigkeit kastriert, gibt es nie Milch in den Milchdrüsen und somit nie Mammatumore.

Wir haben angefangen, nach dem Zahnwechsel zu kastrieren, also mit 4-5 Monaten.

Dann hatten wir ein weiteres Problem: Wenn wir Welpen vermittelt haben, haben wir die Leute einen Vertrag unterschreiben lassen, dass sie die Tiere im Alter von 4-5 Monaten zurück bringen müssen für eine kostenlose Kastration. Die Männchen kamen nie und von den Weibchen kamen circa 30 % zurück. Wir haben die Leute angerufen, angeschrieben, gedroht. Aber sehen Sie, wir sind hier in Italien, selbst der unterschriebene Vertrag hat uns keinerlei Recht gegeben. Wenn der neue Besitzer sich entschlossen hatte, sein Tier Junge werfen zu lassen, hatten wir keine Chance das zu ändern. Vielleicht ist das in Deutschland anders????

Nachdem ich neben meiner vielen Arbeit und Korrespondenz auch nie versäume, mich fortzubilden, habe ich natürlich nie eine Veröffentlichung ausgelassen, die das Thema Frühkastration behandelt. Und siehe da, die amerikanischen Vereine hatten die gleichen Probleme: Nur 30 % der Tiere kamen zur Kastration zurück, auch wenn die Vereine in den USA die Leute schon im voraus für die OP bezahlen ließen. Sie dachten, dass würde mehr Gewicht haben. Aber so war es nicht. So haben die amerikanischen Kollegen schon vor über 25 Jahren angefangen, das Kastrationsalter von Kätzchen und Hundewelpen immer weiter herunterzuschrauben und haben beobachtet, was passiert. Es sind Studienreihen, die über viele Jahre hinweg dauerten. Und es ist nichts passiert.

Ich kann mich noch sehr gut an meine Aufregung erinnern, als ich den ersten Welpen mit 3 Monaten operiert habe. Und wie ich mich gewundert habe, wie groß die Eierstöcke schon waren (so groß wie bei einem Welpen mit 5 Monaten!). Nur der Uterus war ein dünnes Fädchen, schwer zu finden. Und was mich so fasziniert hat war, dass der Welpe quasi in dem Moment, als ich das Narkosegas zugedreht habe, aufgewacht ist und spielen wollte. Und das war kein Einzelfall. Seit 1985 kastriere ich regelmäßig Welpen vor der Vermittlung und vor allem wenn wir in Kolonien arbeiten (vorwiegend Katzen, aber hier leben auch Hunde auf der Strasse!). Bisher sicherlich schon über 2000 an der Zahl. Ein großer Teil der Tiere , die ich hier in Italien vermittelt habe, ist Kunde geblieben. Ich habe die Tiere heranwachsen sehen und manche sind schon an Altersschwäche gestorben. Viele von den früh kastrierten Hunden und Katzen sind in Deutschland vermittelt und ich stehe regelmäßig mit den Besitzern in Kontakt. ES SIND NIE GESUNDHEITLICHE PROBLEME AUFGETRETEN, DIE MIT DER FRÜHKASTRATION IN VERBINDUNG GEBRACHT WERDEN KÖNNTEN!

Es gibt noch ein großes Fragezeichen in der Wissenschaft: das Wachstumshormon wird normalerweise durch die Sekretion der Geschlechtshormone gestoppt, also dann, wenn die Tiere geschlechtsreif sind und die Gonaden (Hoden/Eierstöcke) ihre Funktion aufnehmen. Was theoretisch passieren müsste ist, dass die Tiere nicht aufhören zu wachsen, also riesengroß werden. Das war auch die Befürchtung in den ersten Jahren in Amerika, als man diese Versuchreihen startete. Aber so ist es dann doch nicht gekommen. Ich habe auch keinerlei Riesenwuchs feststellen können. Wenn Sie also im Alter des Zahnwechsels kastrieren, das passiert im Alter von 4 Monaten, sind die Tiere auch noch nicht geschlechtsreif und es müsste das gleiche geschehen, aber Sie haben sicherlich auch noch nie irgendwelche Riesenkatzen erlebt.

Bei der Operation an sich muss man große Erfahrung haben, sehr schnell sein, die kleinen Welpen müssen 2-3 Stunden vor der OP das letzte Mal fressen, wir haben die Tiere auf einem Heizkissen während der OP (auch im fahrbaren OP!) und am Tropf. Wir arbeiten natürlich mit einem Narkosegerät (Isofluran), welches eine schonende und gut steuerbare und damit sichere Narkose ermöglicht. Der Eingriff dauert wenige Minuten (mehr als die Hälfte weniger als bei einer erwachsenen Katze oder einem erwachsenen Hund!). Es treten nie Blutungen auf, weil alles so winzig ist. Die Tiere wachen sofort aus der Narkose auf und sind topfit. Sie fressen circa 1-2 Stunden nach der OP und die Welt ist wieder in Ordnung, wie wenn nichts gewesen wäre. Meiner Erfahrung nach (circa 30.000 Kastrationen!) leiden die Tiere mehr mit zunehmendem Alter, insbesondere was das Schmerzempfinden angeht. Ich habe keinerlei Nachteile feststellen können und wir praktizieren, wie gesagt, die Frühkastration in großer Anzahl schon seit 1985.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass ich mir Betreuer der Katzen- und Hundekolonien wünsche wie in Deutschland, aber das ist wohl eine Utopie hier. Es gibt hier Leute, die absichtlich (oder unbewusst?) Welpen und Kätzchen auf die Welt kommen lassen, weil sie Angst haben, eines Tages nichts mehr zu tun zu haben. Das Gefühl, „gebraucht zu werden”, lässt nicht zu, dass man das Problem löst, dass die Anzahl der Tiere verringert wird.

Wir sind gerne bereit, weitere Fragen zu beantworten und wenn Sie die englische Sprache beherrschen, übersenden wir Ihnen auch gerne Kopien von den erwähnten Veröffentlichungen.

E-Mail: legaproanimale@tin.it  

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  Stand: 17. September 2011